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Van Volxem, Deutschland, Saar | Wein online kaufen, Weißwein, Rotwein, Roséwein, Biowein, Sekt, Prosecco, Champagner, Spirituosen

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Van Volxem

VolX Riesling Trocken, 2017

Deutschland, Mosel

12,95 €
17,27 €/Liter

VV Riesling Gutswein Feinherb, 2016

Deutschland, Mosel

10,50 €
14,00 €/Liter

Saar Riesling Gutswein trocken, 2017

Deutschland, Mosel

13,90 €
18,53 €/Liter

Wiltinger Riesling Ortswein Trocken, 2017

Deutschland, Mosel

14,50 €
19,33 €/Liter

Alte Reben Riesling Gutswein Trocken, 2016

Deutschland, Mosel

17,50 €
23,33 €/Liter

Rotschiefer Riesling Kabinett Gutswein Feinherb, 2017

Deutschland, Mosel

13,90 €
18,53 €/Liter

VOLZ Riesling Großes Gewächs, 2016

Deutschland, Mosel

32,00 €
42,67 €/Liter

Pinot Chardonnay Sekt Brut

Deutschland, Mosel

19,80 €
26,40 €/Liter

Der Rieslingprediger von der Saar


Wenn man die L138 nach Westen weiterfährt, kommt man in das Dörfchen Wiltingen.
Dort, gleich neben der pittoresken Kirche, hat sich der Urenkel des Bitburger-Gründers, Roman Niewodniczanski (in Weinkreisen nur Niewo abgekürzt), ein ehemaliges Klosterweingut der Luxemburger Jesuiten renovieren lassen, was die perfekte Kulisse zu sein scheint, für eine der imposantesten Persönlichkeiten im Weinzirkus. Nur ein kleines Messingschild am Eingang verrät, dass man angekommen ist im Weingut Van Volxem, welches durch die Energie des zwei-Meter-und-something-großen Vollblutwinzers an der Saar seit Jahren für Furore sorgt.

Zusammen mit seinem kongenialen Kellermeister und Betriebsleiter Dominik Völk mischt er die Weinszene an der Saar auf, und prägte den modernen Saar-Riesling mit seiner Trinkfreudigkeit und Leichtigkeit. Beide zusammen stellen in ihrer sehr wahrnehmbaren Unterschiedlichkeit ein Ying-Yang der besonderen Güteklasse dar, was wir so in der Weinbranche noch nicht erlebt haben.

Sie sind Macher vor dem Herrn, nur das Dominik für seine Genialität lediglich gefühlte 170 cm an Körpergröße aufbauen musste. In ihrer jeweiligen Kompromisslosigkeit leben beide die von dem berühmten Soziologen Ludwig Marcuse beschriebene "befreiende Toleranz" aus, wonach nur Großes entstehen kann, wenn wiederholt ordentlich Streit gesucht wird, damit am Ende das bestmögliche Ergebnis erzielt werden kann. Für Dominik ist Roman in diesem Zusammenhang alles andere als sakrosankt. Niewo trägt sein blondes Haar lang und zu einem Zopf zusammengebunden. Seine Augen sind tief blau und hellwach. Ein breites weißes Lächeln wirkt gewinnend auf alle Zuhörer. Mit seiner sehr sportlichen 100-Kilo-Figur könnte er auch das deutsche Double von James Bond darstellen: "Im Auftrag Ihrer Weinmajestät. Der Agent, mit einer klaren Mission," denn er hat definitiv etwas zu sagen.

In seiner predigtähnlichen Herleitung fällt auch wieder dieser Dualismus auf, der bei Roman charakteristisch ist. Roman erzählt von hundert Jahre alten Weinkarten, aus dem Ritz in Paris, oder dem Ritz-Carlton in New York, auf denen Saarweine ganz oben standen-um dann einen langen Abstieg zu beginnen mit dem Finale im "Weingesetz 1971", in dem Lagen und Qualitätsstufen so ausgeweitet wurden, dass auch gezuckerte Verschnitte als große Weine vermarktet werden konnten, was den deutschen Weinbau in eine lange Depression stürzte, die an der Saar bis zum Jahr 2000 herum andauerte. Seine Mission vereint ihn wieder mit den Qualitätsansprüchen seines Kellermeisters, Weine wie um 1900 herzustellen, modern ausgedrückt mit "Schluckreflexen" und "rundem Po". Es wird niemals langweilig diesem Popstar der Weinszene gebannt an den Lippen zu kleben, wenn er weiterhin über den "Trend zu Cool-Climate-Regionen" parliert um somit u.a. das Comeback des Saarweins zu begründen.

Immer wieder taucht dieses in der Weinwelt beinahe inflationär benutzte Wort "Terroir" in seinen Beschreibungen auf. Dahinter steht die Auffassung, dass ein guter Wein nicht im Weinkeller entworfen wird, sondern dass er den Ort, von dem er kommt, möglichst wahrhaftig abbildet: den Boden, das Mikroklima, und vor allem: Steilhang oder Fläche. Letzteres ist für Niewo alternativlos. Credo in Steillage. Je steiler desto besser. Die Aufgabe des Winzers: nichts beschönigen, nichts überdecken, sondern dem Terroir zu seinem natürlichen Ausdruck verhelfen.

Van Volxem Van Volxem

Wir fahren zusammen mit dem Van Volxem-Boss in die Weinberge und erleben ihn noch einmal eine Spur missionarischer.

Am Scharzhofberg, eines der wertvollsten Stücke Agrarland in Deutschland mit seinen nur knapp 100 Meter Höhe und 800 Metern Breite, dessen Gesamtbesitz sich Roman mit zwei weiteren sehr bekannten Winzerkollegen teilt, erfahren wir noch einiges über die Dualität von biologischem Anbau.

Van Volxem ist kein Öko-Weingut. Dennoch will man mit wenig Spritzmitteln auskommen. Jede Behandlung legt nicht nur beispielsweise Pilze lahm. Sie nimmt den Trauben auch Reifetage, auf die es am Ende vielleicht ankommt. Bei Trockenheit brauchts keine Spritzmittel, aber wer weiß schon was noch kommt. Niewo will sich alle Möglichkeiten offenlassen und beteiligt sich nicht an der "bio oder nicht bio-Diskussionen“, da dies für ihn sehr oft nur reines Bio Marketing ist. Der Natur im jeweiligen Jahr genau da zu helfen, wo es ggf. hapert, ist seine Maxime.

Roman springt förmlich durch die höchsten Steilhänge und ist dort in seinem Element. Grade hier strahlt er eine Faszination für natürlich geprägten Perfektionismus aus, die ansteckt. Immer wieder bemängelt er, dass die Rosen in den Reihen geschnitten werden müssen. Rosen sind selber sehr empfindlich für echten Mehltau, eine weitere Pilzkrankheit, die seine Reben befallen können. Sie sind der beste Indikator für den Winzer, dass die Natur Hilfe braucht.
In den nächsten Minuten erfahren wir noch viel über "Rebstockabstände, Ertragsreduktion, konstanten Winden im Saartal, lange Reifeperioden, cool climate und "schiefriger Mineralität mit vibrierender Säure".

Niewo und Dominik trotzen wirklich jeder individuellen Lage ihren originalen Fingerprint ab und bauen die Weine in kleinsten Einheiten im Keller aus. Am Ende seiner imposanten Predigt schließt Niewo mit seiner Vision:

"Ich will keine weichen, cremigen und kuscheligen Weine erzeugen, sondern Weine mit Struktur, Länge und Lagenmerkmalen, die Schluckreflexe erzeugen und Trinkfluss provozieren.“

Eine klare Ansage für seine Weinphilosophie und weniger gegen die sehr uniformen Weingeschmäcker der Neuzeit. Seine Augen werden kämpferisch als er zum "momento culminante“ ausholt. Den besten Wein zu erzeugen, zu dem Roman und Dominik an der Saar in der Lage sind, wäre für beide nur 50% des Erfolges. Die Marke Van Volxem soll inszeniert und erlebbar gemacht werden. Die Marke soll zu einer Pilgerstätte werden für Saarweine und hier glaubt Roman Niewodniczanski, dass er nun an der Zeit ist, ebenfalls ein Ausrufezeichen zu setzen.

Van Volxem Van Volxem Van Volxem

Er lenkt seinen Jeep durch die engen Weinberge und parkt ihn auf dem Schlossberg zwischen Wiltingen und Biebelhausen, dort, wo einst die Kellerei Schmitt Söhne stand. Uns bleibt förmlich der Atem im Hals stecken, im Angesicht dieses sich im finalen Bau befindlichen Weinbautempels, welches Roman zärtlich "seine Manufaktur“ nennt. Auf dem Berg, eingebettet in die Natur und mit Ausblick auf markante Steillagen und dem Fluss selber, entstehen auf mehr als 6800 Quadratmetern zwei Gebäude, vier Keller, Streuobstwiesen, ein Teich mit naturnaher Bepflanzung, Trockensteinmauern, Hecken und Schieferbeete. Herzstück und Herzensanliegen des Bauherrn ist der Holzfasskeller. In Naturstein ausgekleidet, reifen hier in aus familieneigenen Eifeler Eichen hergestellten Holzfässern im Alkoholgehalt moderate Weißweine im Stil der Saarweine um 1900.

"Wir möchten Wein erzeugen wie vor 100 Jahren, aber modern",

stellt er wieder dualistisch klar. "Weniger Alkohol, viel Frucht“.

"Demut“ ist die finale Tugend, die Roman in seinen letzten Worten bemüht. Er ist seinen Vorfahren sehr dankbar für das, was sie aufgebaut haben und somit auch ihm ermöglicht haben. Für ihn ist jedoch Tradition nicht die Verwaltung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers und auch er möchte seinen drei Kindern etwas hinterlassen, was sie weiterentwickeln sollen und worauf sie stolz zurückblicken können. Dass was sein Urgroßvater mit der Brauerei aufgebaut hat, möchte er für kommende Generationen im Weinmarkt sein. Eine der Topmarken, wenn nicht sogar die Topmarke.

Ruhe kehrt ein um diese letzten Worte und mehr als beeindruckt verlassen wir diesen so einzigartigen Flecken Erde an der L138, wo in einem umgebauten Kloster ein weinbeseelter Weinprediger und sein qualitätsbesessener Kellermeister einer Saarweinmarke eine neue Pilgerstätte widmet, und dabei jeglichen Erfolg vom Zufall unabhängig zu machen scheint...

Text Winzerportrait von Boris Bongers, Juni 2018.