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Reisebericht - Markus Molitor Mosel | Wein online kaufen, Weißwein, Rotwein, Roséwein, Biowein, Sekt, Prosecco, Champagner, Spirituosen

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Weingut Markus Molitor
Der Traubenflüsterer von der Mosel 

Ein Bericht über die "längste Weinprobe“ und das Weingut Markus Molitor an der Mosel.
Von Boris Bongers, geschäftsführender Gesellschafter N&H und leidenschaftlicher Weinfreund.

Es war im Frühjahr 2011 als wir uns auf den Weg machten, den "Zocker aus Zeltingen" wie Markus Molitor in der Weinwelt nicht immer liebevoll genannt wird, in Wehlen an der Mosel zu besuchen. Diesen Titel bekam MM nicht wegen irgendeiner ausgeprägten Liebe zum Kartenspiel verliehen, sondern eher für das jährliche, aus Sicht vieler Winzerkollegen zu ausgeprägte Va-banque-spiel was er regelmäßig eingeht, um seiner Philosophie nur physiologisch reife Trauben aus seinem Weingut zu ernten, treu zu bleiben.

Dass dafür manchmal mehr als gewöhnliche 100 Tage von der Traubenblüte bis zur Weinlese notwendig sind, bis die Kerne nicht mehr grün sondern braunschwarz sind, führt eigentlich regelmäßig an der beschaulichen Mosel zu regelrechtem Derivatehandel der ungewöhnlichen Art.

Immer dann, wenn viele Weine der Winzerkollegen schon friedlich in den großen Stahltanks der vielen Moselkeller vor sich hin blubbern, hat MM noch fast alle Trauben am Stock und die Wetterberichte lassen nicht selten schon Böses erahnen. Nicht selten heißt es dann: "Dieses Jahr da hat er sich verzockt. Wetten dass …?!?"
Doch beinahe jedes Jahr schafft es Markus, oft natürlich nur mit einer kleineren Menge als sein Kollegen, den Keller mit robusten, physiologisch reifen Trauben zu füllen.

Der Natur in jedem Jahr das beste Ergebnis abzuluchsen ist seine Passion. MM findet sich dabei nur mit einer einzigen Sache ab, die er nicht beeinflussen kann: Dem Wetter. Den Rest widmet er jedes Jahr seine natürlichste Aufmerksamkeit und kommt nunmehr seit 1984, dem Jahr wo er das Weingut übernahm, beinahe jedes Jahr mit einem anderen Fingerabdruck des jeweiligen Weinjahres auf den Markt.

Dass das Wetter wirklich die einzige nicht kalkulierbare Größe in der Akzeptanz des MM ist, sei durch zahlreiche Tatsachen kurz bewiesen:

MM guckt genau hin und arbeitet an jeder Lage nur mit den Reben, die nach seiner Meinung auch dorthin gehören, weil sie immer dort waren. Neumodischen Trends erklärt er nur dann sein Liebe, wenn sie sich in den Lauf der Natur einbetten lassen und sich puzzelartig in ein seit Jahrzehnten existierendes Bild einarbeiten lassen.

Keine Steillage kann steil genug sein. Auch wenn nur noch der Mensch an Seilen gesichert den Weinberg bearbeiten kann, ist für MM nicht die Arbeit limitierender Faktor, sondern nur die potentielle Qualität die sich aus dieser Steillage gewinnen lässt. Ist sie nach Meinung von MM der Mühen wert, dann hält ihn keiner auf.
MM arbeitet quasi biodynamisch mit aller größtem Respekt für alles Leben im Weinberg, das dort auch hingehört. Dabei kann auch schon einmal "Verzicht" die Maxime sein, wenn es gilt dem Weinberg langfristig qualitativ zu helfen, wird kurzfristig gerne auf Ertrag verzichtet.

Gepresst werden die Trauben mit einem Korbfilter auf schonendste, jedoch sehr aufwändige Art und Weise und gefiltert wird grundsätzlich nur durch natürliche Sedimentation. MM arbeitet ausschließlich bei der Vergärung mit eigenen Hefen, die auf den Schalen der Trauben so mannigfaltig Platz finden. Dass die Gärung im Winter dann auch schon einmal aussetzt ist dem "Zocker" mal wieder egal, ist er sich doch sicher als "Traubenflüsterer" seine Lieblinge so gut zu kennen, dass die Gärung bei wärmeren Temperaturen auch wieder anspringen wird.

Anschließend liegen die Weine noch so lange auf der Feinhefe bis der Chef die Weine als echte MM-Weine freigibt und diese die Kehlen der Kunden durchlaufen dürfen. Meist viel später als Vergleichstropfen von anderen Winzern.

Wir könnten hier noch viel mehr der MM-Eigenschaften der Weinbereitung aufzählen, doch würde dies an dieser Stelle zu weit führen.

Weine Markus Molitor

Urgestein 20'15 Riesling | Edition MM, 2015

Deutschland, Mosel

13,50 €
18,00 €/Liter

Haus Klosterberg Pinot Noir Rosé, 2015

Deutschland, Mosel

10,95 €
14,60 €/Liter

Graacher Domprobst Riesling Kabinett Trocken, 2015

Deutschland, Mosel

16,95 €
22,60 €/Liter

Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese Trocken, 2008

Deutschland, Mosel

20,95 €
27,93 €/Liter

Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese Fruchtsüß, 2014

Deutschland, Mosel

23,70 €
31,60 €/Liter

Zeltinger Sonnenuhr Auslese* trocken, 2007

Deutschland, Mosel

25,90 €
34,53 €/Liter

Graacher Domprobst Rieling Auslese** Feinherb 0,375 L, 2003

Deutschland, Mosel

19,50 €
52,00 €/Liter

Graacher Domprobst Riesling Auslese** Feinherb, 2003

Deutschland, Mosel

28,90 €
38,53 €/Liter

Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese** Edelsüß 0,375 L, 2003

Deutschland, Mosel

49,90 €
133,07 €/Liter

Zeltinger Schlossberg Trockenbeerenauslese 0,375 L, 2006

Deutschland, Mosel

92,50 €
246,67 €/Liter

Brauneberger Klostergarten** Pinot Noir QbA Trocken, 2009

Deutschland, Mosel

39,50 €
52,67 €/Liter

Eiche-Rustikal in Zeltingen: die Weinprobe

Wir stehen also vor diesem imposanten Gebäude in Wehlen am Klosterberg, welches zu der Zeit damals sehr aufwändig restauriert wurde. Empfangen wurden wir in jenen Tagen also nicht im Weingut sondern, bei Mama Molitor im Eiche-Rustikal-Wohnzimmer in Zeltingen, was unserer ersten Begegnung noch einmal einen eigenen Touch gab.

Was wir dann in sechs Stunden an Weinen getestet haben wäre Bestandteil eines Degustationsreports mit einer bestimmt dreistelligen Seitenzahl, aber eben nicht Bestandteil eines Reiseberichtes. Wir lernten Markus als einen "echten Haudegen" kennen, kompromisslos, teilweise auch streng verbissen.

Mit klarer Zielstrebigkeit berichtet er von seinen Anfängen und der fokussierten Ausrichtung auf das, was Markus selber als schwer erreichbare Perfektion bezeichnet: "Ich habe eine andere Dimension von Qualität als Ziel" die er mit seinen Rieslingen und Pinot Noirs erreichen möchte, um nicht den Pinot Blanc ins Seitenaus zu stellen.
MM benutzt bei seinen endloses, niemals langweiligen Geschichten stets eine eigene Wortakrobatik, die mehr als einmal bei uns in schallendes Gelächter ausgeartet ist.



Hier nur einige besonders markante Schöpfungen:

"ab jetzt beginnt körperliches Trinken", um wenig später zu beruhigen…

"mit diesem Wein trinken wir uns wieder nüchtern"

"der Wein läuft wie ein Gebirgsbach den Rachen hinunter..."

"Wir trinken keine Analysewerte", 

wenn jemand ihn auf Restzuckerwerte ansprach, bei dem Versuch die MM-Einordnung was trocken oder halbtrocken sein soll zu verstehen.

"Diese Flasche hat schon drei Wochen offen im Kühlschrank gestanden", und war dennoch perfekt.
 
Es ist in einem Reisebericht nur schwer festzuhalten, was Markus Molitor exakt auszeichnet oder was es genau auf den Punkt bringt.

In dieser zur Uniformität neigenden Konsumgesellschaft tut es einfach nur gut, einen solchen mit allen Weinen gewaschenen Kerl kennenzulernen und ihm an den Lippen zu kleben.

Wir haben seinen Werdegang nun über Jahre weiter verfolgt. In diesem Jahr 2015 wurde ihm und den Weinen seines 2013er Jahrgang die Kaiserkrone der internationalen Weinwelt aufgesetzt. Dabei ist es unwichtig zu erwähnen, dass 90% aller deutschen Winzer teilweise erhebliche Probleme mit dem Jahrgang hatten.

MM reichte 32 seiner Weine bei Robert Parker zur Bewertung ein und etwas noch nie Dagewesenes resultierte: Alle 32 Weine wurden mit mehr als 90/100 Parkerpunkten bewertet. Viel mit 96-98 und man erahnt es schon: 3 sogar mit der Höchstbewertung von 100 PP. Niemand kann sich vorstellen, wie das noch getoppt werden kann. MM schon, wenn man seinem verschmitzten Lächeln Glauben schenken kann. Ob hier wirklich gerade einen neue Dimension an Qualität entsteht?

Beim späteren Besuch des nun fertigen Haupthauses im Jahre 2012 hatten wir in Anbetracht der spontanen Schnappatmung beim Betreten des umgebauten Komplexes schon so eine Ahnung. Der Architekturpreis für dieses Gebäude im Jahre 2013 überraschte dann nur noch diejenigen, die MM nicht kennen und die Erinnerung daran, dass selbst bei Eiche rustikal seine Weine in einem hellen Glanz erleuchten, lässt einen immer wieder gerne nach Wehlen an die herrliche Mosel zurückkehren.